„Der Kölsche – ein preußischer Militarist?“ Eine Zusammenfassung des Vortrags von Dr. Max Plassmann am 5. Mai 2015

Kaiser Wilhelm II. bei einer Militärparade am 9. Februar 1894 im Lustgarten in Potsdam. Farblithografie von Carl Röchling (1855–1920), gemeinfrei

Kaiser Wilhelm II. bei einer Militärparade am 9. Februar 1894 im Lustgarten in Potsdam. Farblithografie von Carl Röchling (1855–1920), gemeinfrei

Rund 90 Besucherinnen und Besuchern folgten den Ausführungen des Archivars und Historikers Dr. Max Plassmann und diskutierten mit ihm die Frage „Der Kölsche – ein preußischer Militarist?“

Die Alliierten und mit ihnen viele Deutsche waren sich 1947 sicher: Schuld an den Katastrophen des Ersten und Zweiten Weltkriegs war der preußische Militarismus. Mit der Auflösung Preußens schien das Problem gelöst zu sein. Für viele Kölnerinnen und Kölner wurde damit ein politischer Nubbel verbrannt, der die Sünden der Vergangenheit mit sich nahm. Mit preußischem Militarismus hatte der echte Kölsche doch nichts zu tun, ganz im Gegenteil war man ja stets preußen- und militärkritisch gewesen.

Dass diese Vorstellung dem Veto der Quellen nicht standzuhalten vermag, zeigte der Vortrag. Eine besondere Militärferne oder gar eine dezidierte Ablehnung militärischer Denkweisen und Handlungen hat es in Köln während der Preußenzeit nicht gegeben. Zwar gab es politische Auseinandersetzungen mit der preußischen Regierung oder auch der preußischen Garnison in Köln, aber diese Reibereien speisten sich nicht aus einer Ablehnung des Militärs und seiner Werte an sich. Weder stand der Karneval im Gegensatz zum preußischen Militär, noch waren die Karnevalsgarden als Persiflage auf die Armee gedacht. Auch der politische Katholizismus focht so manchen Strauß mit den protestantischen Preußen aus, ohne militärische Gewaltanwendung abzulehnen. Am Beispiel der Erinnerung, die im 19. Jahrhundert in Köln an die Kämpfe gegen den Erzbischof im 13. Jahrhundert gepflegt wurde, lässt sich sogar belegen, dass ein Ausharren auf verlorenem Posten bis zum letzten Mann und ein Fortsetzen von Kämpfen bis 5 nach 12 positiv besetzt waren. Dem tragischen Helden Major Boltenstern, der 1814 ohne jeglichen Nutzen sein Leben und das vieler seiner Männer in einem so verantwortungslosen wie vergeblichen Angriff auf die Franzosen geopfert hatte, wird bis heute durch die Benennung einer Straße ein Denkmal gesetzt.

Vortrag Dr. Plassmann 2015-05-05

Denkweisen, die die Alliierten 1947 als militaristisch bezeichneten, waren den Kölnern also keineswegs fremd. Dadurch wird der Kölsche zwar sicher nicht zum Militaristen. Mit dem Mythos einen spezifisch Kölschen Antimilitarismus hat man es sich jedoch zu leicht gemacht.

 

Der nächste Vortrag im Rahmen der im Archiv präsentierten Ausstellung „KÖLN – R(H)EIN – PREUSSICH?“  hält eine Kurotorin der Ausstellung, die Archivarin und Historikerin Dr. Julia Riedel, am Dienstag, 19. Mai 2015 unter dem Titel „Die rheinische Jahrtausendfeier in Köln – ein Großereignis in Zeiten der Krise“.