Ein rauschendes Fest der Zivilgesellschaft
Ein rauschendes Fest der Zivilgesellschaft

Ein rauschendes Fest der Zivilgesellschaft

20 Jahre FREUNDE, 20 Jahre Engagement für das Historische Archiv mit Rheinischem Bildarchiv durch alle Höhen und Tiefen, dies durften wir gestern mit über 200 Mitgliedern und Gästen in der Piazzetta des Historischen Rathauses feiern.

Ein freundliches und wertschätzendes Grußwort des Oberbürgermeisters eröffnete den Abend, der noch einige Höhepunkte zu bieten hatte. Torsten Burmester würdigte insbesondere das langjährige Engagement unseres Gründungsvorsitzenden Burkard von der Mühlen, das er in das „große ganze“ Bild eines zivilgesellschaftlichen Engagements einbettete, ohne das eine Gesellschaft nicht funktioniert, nicht funktionieren kann – ganz unabhängig von der städtischen und öffentlichen Kassenlage.

Und die Zivilgesellschaft war da, was uns besonders freute: Sie, unsere langjährigen und geschätzten Mitglieder, das Rückgrat dieses Vereins, ehemalige Vorstände, Vertreter*innen aus Politik sowie Vereinen und Organisationen und nicht zuletzt die ehemalige Archivdirektorin Bettina Schmidt-Czaia waren gekommen.

Nach einem kurzen Rückblick auf die Vereinsaktivitäten und das Überwinden der „Opferrolle“ des Historischen Archivs durch Burkard von der Mühlen erlebten wir alle zusammen zwei hochrangige Redebeiträge, die unterschiedliche Blickwinkel auf Archiv und Ehrenamt eröffneten: Der Historiker Prof. Gerd Schwerhoff beschäftigte sich mit der „Wahrheitsfindung“ in Archiven, ausgehend von Bettina Schmidt-Czaias „bestem Mittel gegen Geschichtsklitterung“ und Arlette Farges Buchtitel „Le goût de l’archive“, das sich der Arbeit von Historiker*innen auf Archive befasste. Schwerhoff arbeitete anhand von handfesten Beispielen ais der frühen Neuzeit heraus, dass die Fakten des Archivs immer der Interpretation (nicht: Spekulation) aus der historischen Wissenschaft bedürfe, diese Interpretation jedoch nicht revisionssicher sei – Interpretationen können sich mit der Zeit ändern. Ein „Sehnsuchtsort des Erkenntnisgewinns“ bleiben Archive für viele jedoch allemal.

Die Kölner Journalistin, Historikerin und eben Schriftstellerin Husch Josten, die wegen eines Bombenfunds im Kölner Süden knapp rechtzeitig auf abenteuerlichen Wegen den Weg ins Rathaus fand, wagte einen ungemein poetischen, erzählerischen Ansatz, der das Publikum verzauberte. „Von Amts wegen unsterblich“ seien die Akten, dem Tod trotzend, doch nur deshalb von Bedeutung, weil es ihn gebe. Ohne den Tod ergebe das Leben keinen Sinn. Düster? Ein wenig. Aber: immer wieder aufs neue dem Tod trotzen, wie Sisyphos, den wir uns letztlich doch – mit Camus – als glücklichen Menschen vorstellen müssen, das ist die Aufgabe von Archiven. Der Saal hing an den Lippen der Autorin – Gänsehaut.

Zum Abschluss füllte eine beeindruckende Formation des Kölner Männer-Gesang-Vereins die Bühne und gab einen musikalischen Querschnitt durch das „Archiv“ ihres Repertoires. Von Jacques Offenbach über die. „Colonian Harmonists“ (wunderbar: Irgendwo auf der Welt) bis hin zum unerlässlichen „Drink doch eine met“ war für alle etwas dabei. Letzteres war dann auch das Stichwort für den kulinarisch vom Consilium betreuten Empfang, für den erfreulich viele der Gäste blieben. Dieser Abschluss des Abends, und gerade dieser intensive Austausch, die Vernetzung der Kölner Zivilgesellschaft gibt Hoffnung für die Zukunft unser aller ehrenamtlichen Engagements. Lasst uns die nächsten 20 Jahre zusammen Stadtgeschichte erzählen!


Fotos: Raimond Spekking