Secundus liber benefactorum nostrorum, 15. Jh.

Bestand Best. 233 (Kartäuser), RH 10

Beschreibung

Datierung: 15. Jahrhundert
Maße: 23,2 cm x 16,5 cm x 3,0 cm
Umfang: 98 Blatt
Flexibler Einband aus Pergament mit einer Klappe, die um den Vorderschnitt des Buchblocks gelegt wird. Der Buchblock besteht aus Papier. Die einzelnen Lagen des Buches wurden - ähnlich einer Preußischen Aktenheftung - mit dünnen, gedrehten Pergamentstreifen direkt auf den Pergamentumschlag geheftet.

Inhalt

Bei dem hier gezeigten Stück handelt es sich um ein sogenanntes Stiftungsbuch der Kölner Kartäuser. In diesem Buch hielten die Kartäusermönche alle Stiftungen nach, die ihr Kloster zugesprochen bekommen hatte. Vornehmlich handelt es sich hier um Abschriften solcher Urkunden, in denen Rechtsgeschäfte über Stiftungen für die Kartäuser in Form von Gütern oder Naturalabgaben festgehalten wurden. Die Urkundenabschriften dienten der Rechtssicherheit für das Kloster, z.B. für den Fall, dass eine Urkunde verloren ging oder zerstört wurde. So hatten die Mönche immerhin noch eine Zweitschrift und konnten im Notfall ihre Ansprüche beweisen und geltend machen. Das Amtsbuch ist das zweite Buch („secundus liber“), welches Abschriften enthält.
Die Kartause lag auf dem sogenannten Martinsfeld (südlich der heutigen Kartäusergasse im südlichen Severinsviertel) und wurde 1334 durch den Kölner Erzbischof Walram von Jülich an einer bereits vorhandenen Kapelle, die der hl. Barbara gewidmet war, gegründet. Mithilfe zahlreicher Stiftungen wohlhabender Kölner Patrizierfamilien wie Scherffgin und Lyskirchen wurde die Kapelle aus- und umgebaut und 1393 vollendet. Die neu errichtete Klosterkirche wurde ebenfalls der hl. Barbara geweiht. Der Orden der Kartäuser genoss in der Bevölkerung des mittelalterlichen Kölns ein hohes Ansehen, was sich durch zahlreiche „Starthilfen“ für das Kloster in Form von Ackerland, welches vornehmlich durch die Familien Lyskirchen und die Overstolzen gestiftet wurde, äußerte. Eine der Haupttätigkeiten der Kartäuser war das Kopieren von Schriften und dem daraus resultierenden Erstellen neuer Bücher samt Einbinden. Selbst die Einbände stellten sie in ihrer Werkstatt eigens her. Dadurch besaß die Kartause bereits Mitte des 15. Jahrhunderts eine der umfangreichsten Handschriftensammlungen Kölns, was nicht zuletzt daran lag, dass die Mönche die abzuschreibenden Schriften mit in ihre Zelle nehmen durften, um dort an eigens errichteten Schreibpulten ihre Tätigkeit wahrnehmen zu können. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass das Kloster als Ort umfangreichen Wissens Mitte des 15. Jahrhunderts den Auftrag erhielt, die Benediktinerabtei St. Pantaleon zu reformieren. Im Zuge der Neuordnung wurde ein Kartäusermönch zum neuen Abt von St. Pantaleon ernannt und sollte die Reformen innerhalb des Stiftes voran bringen. 1794 wurde das Kartäuserkloster aufgehoben und bis 1919 als Lazarett genutzt. Danach zog das Reichsfinanzamt in die Räumlichkeiten. Ab 1922 durfte die Evangelische Gemeinde die Kirche für ihre Gottesdienste nutzen. 1928 wurde die Kirche offiziell für die Gemeinde geweiht und hat bis heute Bestand.

Konservatorische Massnahmen

Gesamtes Stück
• Trockenreinigung

Einband
• Abnahme verklebter Fragmente
• Feuchtreinigung
• Klebstoffreste entfernen
• Rissschließung
• Titel- und Signaturschild sichern
• Glätten

Buchblock
• Abnehmen gelöster Lagen
• Nassbehandlung der ersten Lage
• Rissschließung
• Fehlstellenergänzung
• Zurückformen des Buchblocks
• Partiell nachheften

Verpackung
10% Materialkosten
10% Verwaltungs- und Transportkosten