I. Dekanatsbuch (Liber actorum et consuetudinum fac.), 1491 – 1624

Bestand 150 (Universität, 1291-1817), A 366

Beschreibung

Datierung: 1491 - 1624
Maße: 21,4 cm x 15,6 cm x 5,0 cm
Blindgeprägter, vegetabil gegerbter Ganzledereinband mit partiellem Kantenschutz und Schließen aus Messing
Buchblock aus Papier, durchausgeheftet auf vier Doppelbünde
Umfang: 188 Blatt

Inhalt

Bei der hier abgebildeten Handschrift handelt es sich um das erste Dekanatsbuch der medizinischen Fakultät der alten Universität Köln, welche am 21. Mai 1388 als vierte Universität im Heiligen Römischen Reich nach der Karls-Universität Prag (1348), der Universität Wien (1365) und der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg (1386) gegründet wurde. Die Initiative ging vom Rat der Stadt Köln aus, die auch die Kosten für die Einrichtung übernahm. Die Gründungsverhandlungen wurden mit Papst Urban VI. geführt, am 6. Januar 1389 schließlich die Gründungsurkunde unterschrieben und die erste Vorlesung abgehalten. Gründungsrektor war Hartlevus de Marca. Die Universität orientierte sich an der angesehenen Universität von Paris, von der sie aufgrund verschiedener Unruhen in Frankreich fast dreiviertel der Professoren abwerben konnte. Sie unterschied sich aber von Paris, Wien und Heidelberg insofern, als sie von Beginn an neben Kirchenrecht als erste Universität im Reich auch Kaiserrecht, das sogenannte Römisches Recht lehrte. Sie gehörte von Anfang an mit 700 Immatrikulierten (später etwa 1000) zu den größten Universitäten Europas. Die Studenten kamen aus ganz Europa nach Köln, um hier studieren zu können. Die Stadt finanzierte zunächst neun, später zwölf professores publici et ordinarii, von denen 3 Medizin lehrten. Die Hochschule besaß kurz nach ihrem Anfang alle vier damals üblichen Fakultäten: Theologie, Juristerei, Medizin und die jüngeren sieben „Artes“. Die Medizinische Fakultät nahm ihre Tätigkeit im Gründungssemester 1388/89 mit acht Medizinstudenten auf. Die kleine Fakultät hatte zunächst keine eigenen Räumlichkeiten, ihr standen vorerst nur Räume der Artistenschule zur Verfügung. Erster Medizinprofessor war der Mediziner Wolbero de Kaldenhoyven aus Geseke (wurde auch Schultetinck genannt), Kanoniker am Stift St. Gereon.
Die ersten Einträge in dieser Handschrift in lateinischer Sprache wurden 1491 unter dem Dekan Dr. [Theoderich] de Dordrato [Dortrecht] getätigt. Das Dekanatsbuch ist eine Art „Tagebuch“ oder Chronik des Dekans, in dem das tägliche Geschehen innerhalb der Fakultät dokumentiert wurde. Ein Dekanatsbuch ist daher eine wichtige Quelle für die Universitäts- und Fakultätsgeschichte.

Konservatorische Massnahmen

Gesamtes Stück
• Trockenreinigung

Einband
• Feuchtreinigung
• Abnahme alter Reparaturen (Klebebänder)
• Entfernen von Klebstoffresten
• Verkleben des gebrochenen Holzdeckels
• Sichern und Festigen des Bezugsmaterials
• Ergänzen des Leders
• Sichern des Titel- und Signaturschildes
• Reduzieren von Korrosion auf den Schließen

Buchblock
• Rissschließung und Stabilisierung
• Einlegen von Barrierepapier

Verpackung
10% Materialkosten
10% Verwaltungs- und Transportkosten