Poolpatenschaft Recht und Archiv

Juristische Bestände im Historischen Archiv der Stadt Köln – und Ihr Beitrag zu ihrer Wiederherstellung

Zwischen Archiven und dem Justizwesen besteht seit jeher ein überaus enger Zusammenhang. Das Historische Archiv der Stadt Köln diente bei seiner Gründung im Jahr 1406 hauptsächlich dem Zweck, rechtserhebliche Dokumente sicher und geordnet aufzubewahren, um sie im Fall juristischer Auseinandersetzungen als Beweismittel verwenden zu können. Diese mehr als 600jährige Tradition ist bis heute ungebrochen: Die Stadt Köln hinterlegt immer noch das Original jedes Vertrags unmittelbar nach Unterzeichnung im Archiv.

In Köln hatte man schon im 12. Jahrhundert erkannt, dass eine öffentliche Registrierung von Grundstücksgeschäften, aber auch von Erbschaften ganz erheblich zur Wahrung des Rechtsfriedens beitragen kann. Hier ist der Ursprung einer nördlich der Alpen einmaligen Überlieferung zu sehen: der Schreinsbücher, die als Vorläufer der Grundbücher bis 1798 geführt wurden. Wenn sie ihren Zweck nicht erfüllen konnten und es zu einem vor Gericht ausgetragenen Rechtsstreit kam, entstanden Prozessakten, die zu tausenden im Historischen Archiv überliefert sind. Sie spiegeln die gesamte Bandbreite juristischer Auseinandersetzungen wieder und umfassen die Kriminalgerichtsbarkeit genauso wie zivilrechtliche Auseinandersetzungen. Aber auch die Kölner Prozesse vor dem Reichskammergericht, seit 1495 dem höchsten Reichsgericht, sind hier zu finden.

Zur Führung von Prozessen werden gut ausgebildete Juristen sowohl als Richter, als auch als Parteienvertreter benötigt. Die Kölner gründeten dazu 1388 eine Universität mit einer juristischen Fakultät, deren Akten im Historischen Archiv überliefert sind. Juristische Lehrbücher und Kommentare des Mittelalters treten in den Handschriftenbeständen hinzu.

Mit dem Verlust der Unabhängigkeit der Reichsstadt Köln 1794 ging auch die Gerichtsfunktion der Stadt auf den Staat über, so dass Gerichtsakten im engeren Sinne seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr im Stadtarchiv zu finden sind. Dennoch dreht sich das Handeln einer modernen Verwaltung immer wieder um die Anwendung von Recht und Gesetz und das Führen von Rechtsstreitigkeiten, wenn in diesen Fragen Auslegungsunterschiede auftreten. Auch und gerade die modernen Verwaltungsakten aus allen Bereichen der Stadtverwaltung sind daher wichtige rechtshistorische Quellen, denn sie ergänzen die Gerichtsakten um einen Blick auf die gelebte Rechtspraxis und ihre Fortentwicklung jenseits der Gerichte. Das Historische Archiv hat überdies stets angestrebt, die städtischen Akten mit Nachlässen bedeutender Persönlichkeiten und den Akten von Vereinen und Verbänden zu ergänzen, die ihrerseits zahlreiche rechtshistorisch relevante Unterlagen enthalten. Die Rheinische Notarkammer hat beispielsweise ihre Unterlagen seit dem späten 18. Jahrhundert hier hinterlegt.

Die Bemühungen, das Historische Archiv der Stadt Köln nach dem Einsturz 2009 wieder herzustellen, sind also zugleich ein Kampf um die Zukunftsfähigkeit der rechtshistorischen Forschung. Sie können dazu beitragen, indem Sie die die 75 € übernehmen, die für die Wiederherstellung einzelner Akten, Urkunden oder Amtsbücher im Durchschnitt notwendig sind, die aus juristischer Perspektive von besonderer Bedeutung sind. Wir wählen dann ein Stück aus diesem Bereich für Sie aus und teilen Ihnen mit, welchen Baustein der Rechtsgeschichte Sie finanziert haben.